Bilddaten


Künstler: Jean Renggli der Ältere
Entstehungsjahr: um 1873
Technik: Öl auf Leinwand
Motiv: Dramatische Enthüllung eines Mordkomplotts in Luzern


Beschriftung zum Bild - Deutsch

 

Ein Junge wird abgeführt, Stadtwächter greifen ein, Fässer rollen durch den Hof – die Stimmung ist gespannt, wie vor einem Gewitter. Was hier geschieht, ist kein gewöhnlicher Arrest: Es geht um Verrat, Verschwörung und Rettung in letzter Sekunde.

Das Gemälde spielt auf eine Luzerner Legende an: In einer dunklen Nacht soll ein Mordkomplott gegen freiheitlich gesinnte Bürger geplant worden sein – heimlich, „unter der Egg“. Doch ein junger Mitwisser konnte nicht schweigen. In der Stube der Metzgerzunft flüsterte er sein Geheimnis – ausgerechnet einem Kachelofen.

Der Ofen blieb stumm. Doch der Verrat flog auf und die Stadt blieb verschont.

 

Caption for the image - Englisch

 

A boy is taken away, city guards intervene, barrels roll through the courtyard - the atmosphere is as tense as before a thunderstorm. What is happening here is no ordinary arrest: it is about betrayal, conspiracy and a last-minute rescue.

 

The painting alludes to a Lucerne legend: On a dark night, a murder plot is said to have been planned against liberal-minded citizens - secretly, “under the Egg”. But a young confidant could not remain silent. He whispered his secret in the room of the butchers' guild - to a tiled stove of all things. The stove remained silent. But the betrayal was discovered and the town was spared.


Historischer Hintergrund

 

Die Szene bezieht sich auf eine überlieferte Luzerner Stadtlegende: In einer «Mordnacht» (im 15. Jahrhundert) plante eine Gruppe Verschwörer einen Anschlag auf die freiheitlich gesinnte Bürger Luzern. Die Verschwörer versammelten sich in einem Gasthaus «unter der Egg», einer der ältesten Arkadenzonen der Stadt, nahe der Reuss. Nach der Legende gestand einer der Beteiligten – geplagt vom schlechten Gewissen – seine Pläne einem Kachelofen, in dem Glauben, er spreche zu sich selbst. Der Mordanschlag wurde dadurch entdeckt, und die Stadt konnte sich vor Verrat schützen. Auch wenn das Geschehen historisch nicht eindeutig belegbar ist. Wurde es im 19. Jahrhundert im Geist der aufkommenden Nationalromantik als Ausdruck von Bürgermut, Verrat und wachsamen Gemeinsinn verstanden.

Bildbeschreibung und Interpretation

 

Die Szene spielt in einen engen Hof. Im Zentrum des Bildes stehen bewaffnete Männer, die eine Jungen in Handschellen abführen. Neben ihm ein Mann mit Federhut, der ihn zurückweist oder anweist. Links werden zwei Fässer gerollt, im Hintergrund stehen weitere Bürger und Soldaten unter einem Gewölbe. Die Komposition ist stark von Licht und Schatten geprägt: Nur die zentrale Szene ist hell beleuchtet, während der Rest in düstere Halbschatten getaucht ist. Renggli inszeniert hier eine dramatische, moralisch aufgeladene Szene. Das Zentrum des Bildes ist ein Moment der Enthüllung: Ein junger Beteiligter wird gefasst, ein Komplott ist gescheitert. Der Ort «unter der Egg» wird symbolisch zum Schauplatz vom innerem Konflikt: Treue gegen Verrat, Ordnung gegen Umsturz. Renggli bringt durch Kontraste aus Licht und Dunkelheit, Bewegung und Stillstand eine enorme Spannung ins Bild. Das Fassrollen, die Gesichter der Zuschauer, der abgeführte Junge – Alles deutet auf einen Wendepunkt hin.