Bilddaten
Künstler: Jean Renggli der Ältere
Entstehungsjahr: um 1873
Technik: Öl auf Leinwand
Motiv: Drei Männer im Zentrum umgeben von weiteren Figuren, reichen feierlich die Hand

Beschriftung zum Bild - Deutsch
Drei Männer reichen sich die Hände über einem Schriftstück – ernst, still, entschlossen. Es ist der Moment, in dem aus Einzelnen ein Bündnis wird: der legendäre Rütlischwur von 1291. Jean Renggli inszeniert diesen Gründungsakt der Alten Eidgenossenschaft nicht als heroisches Drama, sondern als würdevollen Schwur auf Augenhöhe. Die Szene steht für Freiheit, Zusammenhalt und gegenseitige Verantwortung. Entstanden ist das Bild in einer Zeit des nationalen Aufbruchs – kurz nach der Gründung des modernen Bundesstaats.
Caption for the image - Englisch
Three men shake hands over a document - serious, silent, determined. It is the moment when individuals become an alliance: the legendary «Rütlischwurof 1291».
Jean Renggli stages this founding act of the Old Swiss Confederacy not as a heroic drama, but as a dignified oath on an equal footing. The scene stands for freedom, cohesion and mutual responsibility. The painting was created at a time of national awakening - shortly after the founding of the modern federal state.
Historischer Hintergrund
Die Szene nimmt Bezug auf den sagenumwobenen Rütlischwur, der laut der Schweizer Gründungslegende im Jahr 1291 auf einer Wiese oberhalb des Vierwaldstättersees stattfand. Dort sollten sich Vertreter der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden heimlich getroffen und gemeinsam geschworen haben, sich gegen Fremde (vor allem habsburgerische) Herrschaft zu verteidigen und in Freiheit zusammenzustehen. Dieser Schwur wird als symbolischer Ursprung der Alten Eidgenossenschaft verstanden
Bildbeschreibung und Interpretation
Das Bild zeigt einen feierlichen Moment im Inneren eines Steingebäude. Drei Männer im Vordergrund – Vertreter der Urkantone – reichen sich die Hände über einem Dokument. Einer liest möglicherweise den Schwurtext vor. Im Hintergrund stehen und sitzen weitere Männer in historischer Kleidung. Der Raum wirkt schlicht, was die Ernsthaftigkeit der Szene betont: Es geht nicht um Prunk oder Macht, sondern um die gemeinsame Verantwortung. Jean Renggli inszeniert den Bundesschwur nicht als dramatischen, sondern als stillen, gewichteten Akt politischer Selbsermächtigung. Die Szene strahlt Ernsthaftigkeit, Verbindlichkeit und Zusammenhalt aus. Es geht nicht um den Kampf, sondern um Entscheidung. Die Darstellung lässt sich auch als Spiegel der damaligen Gegenwart lesen: In einem föderalen Land mit sprachlicher, religiöser und kultureller Vielfalt braucht es gemeinsame Wurzeln. Der Schwur wird zur Projektionsfläche für die Idee der Einheit in Verschiedenheit.