Bilddaten


Künstler: Jean Renggli der Ältere
Entstehungsjahr: um 1873
Technik: Öl auf Leinwand
Motiv: Burganlage mit Zufahrtsweg, bewaffnete Gruppe, dramatische Inszenierung


Beschriftung zum Bild - Deutsch

 

Eine kleine Truppe mit Wagen und Reitern nähert sich einer Burg auf einem Felssporn. Die Szene spielt vermutlich bei Rothenburg im Kanton Luzern. Jean Renggli verbindet Landschaft und Geschichte zu einem ausdrucksstarken Moment voller Spannung.

 

Historisch verweist das Bild auf die Ereignisse von 1385, als Luzern die habsburgische Burg Rothenburg einnahm und zerstörte. Ein Schlüsselereignis der Luzernen Geschichte

 

Caption for the image - Englisch

 

A small troop with wagons and riders approaches a castle on a rocky spur. The scene is probably set near Rothenburg in the canton of Lucerne. Jean Renggli combines landscape and history to create an expressive moment full of tension.

 

Historically, the painting refers to the events of 1385, when Lucerne captured and destroyed the Habsburg castle of Rothenburg. A key event in Lucerne's history.


Historischer Hintergrund

 

Rothenburg ist eine traditionsreiche Gemeinde in Kanton Luzern mit Wurzeln im Hochmittelalter. Die markante Burg auf einem Felssporn, die heute nur noch in Spuren erhalten ist, war im 13. Jahrhundert der Stammsitz der Freiherren von Rothenburg. Dank ihrer Lage oberhalb wichtiger Verkehrswege hatte sie eine strategische Bedeutung für das Umland und diente später auch als Verwaltungssitz unter habsburgischer Herrschaft.

 

Im Jahr 1385, zu Zeit der Auseinandersetzung zwischen den Habsburgern und er sich emanzipierenden Innerschweiz, wurde die Burg durch Truppen der Stadt Luzern eingenommen und systematisch zerstört. Diese Eroberung markierte einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur regionalen Selbstbestimmung Luzerns. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut. Ein bewusster Akt gegen die Rückkehr fremder Herrschaft. In der Folge entwickelte sich Rothenburg unter Luzerner Verwaltung zu einem bedeutenden ländlichen Zentrum mit öffentlicher Funktion.

 

Bildbeschreibung und Interpretation

 

Das Gemälde zeigt eine Burg au einer felsigen Anhöhe, dramatisch beleuchtet vom Licht des Himmels und den Feuerbrünsten im Hintergrund. Auf einem steilen Weg nähert sich eine Gruppe von Menschen mit Wagen und Pferden einer auf einem Felsen thronenden Burganlage. Der Himmel ist bedeckt, das Licht gedämpft. Jean Renggli nutzt in dieser Komposition typische Mittel der Historienmalerei: die Dramatik des Himmels, die Höhenunterschiede zwischen Ankommenden und Burg, sowie bewusst gesetzte Blickachsen, um den Fokus auf Bewegung, Erwartung und Spannung zu lenken. Renggli verbindet mit feinem Gespür romantische Landschaftsmalerei, historische Allegorie und emotionale Tiefe. Es schafft kein exaktes Geschichtsbild, sondern ein Sinnbild für Übergänge, politische Selbstbestimmung und die Bedeutung kollektiver Erinnerung.