Ein kurzer Beschrieb des Zunfthauses
Das Zunfthaus von 1529-1533 heute Hotel «Zur Metzgern», hat sich in seinen Hauptmauern erhalten. Die einfache gotische Fassade mit drei Achsen verrät in der ruhigen Rhythmisierung der Fenster den Einfluss von Renaissancebauten: Im ersten Stock drei Doppelfenster, im zweiten Stock höherer Fenster, das mittlere dreiteilig, die andern zweiteilig. Im dritten Stock befinden sich die niedrigsten, zweiteiligen Fenster. Im Erdgeschoss führt links ein tonnengewölbter Durchgang, das «Metzgernböglein», zum Zunfthaus zu Schneidern. Die spitzbogige, profilierte Öffnung gegen den Platz trägt das Datum 1529 und das Steinmetzzeichen. Zwischen den Fenstern des ersten Stockes sind in flachem Relief die Wappenschilder der Metzger – ein Fleischerbeil - und der Fischer – ein Fisch – ausgehauen. An der Südseite erhebt sich eine steinerne Wendeltreppe. Historische Räume haben sich nicht erhalten. Das Innere und die Fassade sind im Stile des ausgehenden 19. Jahrhunderts umgestaltet, letztere durch Neu-Renaissancemalereien und Aushängeschild, wie sie damals in Luzern äusserst beliebt waren.
Vom alten Inventar sind folgende Reste zu erwähnen: Die Zunftfahne des 17. Jahrhunderts, heute im Nölliturm bei der Safranzunft deponiert. Weiss-blau geteilt, in der Mitte ein aufgemalter Stier mit Beil und Jahrzahl 1669, in der rechten oberen Ecke die Muttergottes im Strahlenkranz. Das Petschaft aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, heute im Gewerbemuseum, zeigt als Wappen in Rokokokartusche einen springenden Ochsen, unter dem ein Hund sitzt. Das 1732 datierte Emblem der ehemaligen Zunftstube ist ein in Bronze gegossener, vorwärts stürmender Ochse mit sitzendem Hund auf einer Barockkonsole.
An die Erzählung der «Mordnacht von 1333», in welcher die Metzgernzunftstube eine legendäre Rolle spielt, erinnern die ovalen hölzernen «Mordnachttafeln», zwei Ölgemälde des 17 Jahrhunderts. Auf dem einen anvertrauten der Bettelknabe die von ihm entdeckte Verschwörungen dem Stubenofen, da ihn die Verschwörer durch einen Eid gezwungen hatten, keinem Menschen etwas zu verraten.
Lage und Geschichte des Hauses
Das Haus der ehemaligen Metzgerzunft einst Gasthaus zur Metzgern, steht traufständig und daher mit ostwestlich gerichtetem First an der Südseite des Weinmarktes, des ehemaligen Fischmarktes. Bis 2015 war das Gasthaus zur Metzgern ein Restaurant. Die Fassadenmauer zeigt gegen Norden zum Weinmarkt die Rückseite, gegen Süden zur Reuss, hin, wo unmittelbar daneben das Zunfthaus zu Schneidern steht. Osten liegt daher in Richtung Kornmarkt und Westen in Richtung Mühleplatz. Der Eingang öffnet sich nicht wie an den anderen Häuser vom Platz her, sondern ist durch einen Durchgang (Metzgernbögli) zu erreichen, der an der östlichen Seite des Hauses entlang verläuft und zum Brandgässli führt. Dieses trennt die Häuserzeile am Weinmarkt bzw. an der Kornhausgasse von derjenigen, die am Reussufer, Unter der Egg stehen. Über dem Eingang zum seitlichen Gang ist das Datum 1529 angebracht.
Die drei Obergeschosse des Hauses belegen auch die Fläche des Durchgangs, womit sie einem grösseren Grundriss aufweisen als das Erdgeschoss. Der langgestreckte Grundriss misst vom Weinmarkt bis zur südlichen Fassadenmauer am Brandgässli 8,50m x 15,50m (ungefähre «Aussenmasse»). An der Rückseite schliesst jedoch ein weiterer, um den Durchgang schmalerer Flügel an. Er nimmt eine Fläche von 7 x 6m ein und besitzt vier Obergeschosse. Seine östliche Fassadenmauer steht am Brandgässli. Das gesamte Haus erreicht damit eine Länge von 21,50 m. Der Zugang erfolgt von der Ostseite her, über ein Treppenhaus und der südöstlichen Ecke des Hauses.
Das Haus Metzgernzunft wird an seiner heutigen Stelle erstmals 1333 erwähnt. Bis 1873, als sich die Zunft auflöste, verblieb es in deren Besitz. Bezeugt ist ein Neubau zwischen 1529 und 1533, der weitgehen dem heutigen Gebäude entsprach, jedenfalls was den «Rohbau» betrifft.
Im 1. Obergeschoss befanden sich früher die Gaststube – denn die Zunfthäuser dienten auch als Wirtschaften – und im 2. Stock lagen die Zunftstube sowie weitere Räume. Die repräsentative, zum Weinmarkt gerichtete Fassade deutet dies noch heute durch die grosszügige Befensterung an. Seit 2015 wird das Gebäude zudem als Hotelbetrieb genutzt. Die Staffelfenster des 1., die Kreuzstockfenster des 2. und die Zwillingsfenster des 3. Obergeschosses sind in spätgotischer Manier mit einer Doppelkehle verziert. Auf der Seite des Brandgässli sind die Fenster einfacher, nämlich mit einer weiteren Kehle geschmückt. Aber auch hier öffnen sich die qualitätsvolle Zwillings-, Kreuzstock- und Staffelfenster. Die ehemaligen Kreuzstockfenster im 1. Stock des kleinen Flügels dürfte sich schon zur Zeit des Zunfthauses in die Küche geöffnet haben. Reichen die Fenster an der schmalen, gegen die Reuss gewendeten Fassade des «Hauptteils» bis zum 3. Obergeschoss, so enden sie an der Fassade des zurückgesetzten Flügels nur bis zum 2. Stock. Darüber folgen jüngere Fenster, darunter sicherlich diejenigen, die mit der für 1834 verbürgten Aufstockung entstanden sind. Diese erfolgte nachdem das Quartier 1833 bei einem Grossbrand zerstört worden war. Das Haus der Metzgerzunft war das westlichste Haus, dass vollständig erhalten war. Unter den in jüngerer Zeit folgenden Umbauten, die das Äussere der originalen Fassadenmalerei und das Innere der ursprünglichen Organisation des Erdgeschosses sowie der originalen Ausstattung weitgehen beraubten.