Die Anfänge von Handwerk und Gewerbe
Wer sich mit Handwerk und Gewerbe der jungen Stadt Luzern auseinandersetzen will, muss sich zuerst mit den vorstädtischen, noch hofrechtlichen Organisationsformen befassen. Grundherrschaftlichen Ursprungs sind im Allgemeinen jene Institutionen, die vorzüglich der Lebensmittelversorgung der Herrschaftsangehörigen dienten. Im Mittelpunkt stand der Markt, der zum Schutz des Konsumenten unmittelbar der Aufsicht des Grundherrn und seiner Beamten unterstellt war. Der Grundherr bestimmte die in seiner Herrschaft gültigen Masse und Gewichte, er gab sie an Markttagen dem Publikum zur Benützung frei und liess ihre gerechte Anwendung überwachen. Zur Grundherrschaft gehörten aber auch jene Gewerbebetriebe, die sich mit der Ernährung befassten: Mühle und Wirtshaus, Bäckerei und Metzgerei. Sie galten als Monopol des Grundherrn. Je nach Bedeutung der Herrschaft gliederten sich noch weitere Handwerke an, die ebenfalls der Herrschaftsordnung unterstanden. Neben den üblichen Handwerken zur Nahrungsmittelversorgung wie Bäckern und Metzgern beherrschten nämlich die lederverarbeitenden Handwerke der Gerbe und Kürschner die Szene.
In Luzern fasste der Grundherr die namhafteren Handwerke alle unter einem Dach zusammen: Es entstand die Schaal als Handwerks- und Gewerbezentrum auf dem heutigen Weinmarkt. Die Schaal war in der Hauptsache ein überdachter Markt - eine Verkaufsstelle. Der zweigeschossige Holzbau enthielt zu ebener Erde die Schaalen der Bäcker und Metzger und die Lederschaal, die von den Gerbern und Schuhmachern benützt wurde. In jeder Schaal standen Verkaufstische, Bänke genannt, deren Zahl gleichbedeutend mit der Anzahl zugelassener Handwerker war.
Entstehung und Bedeutung der Gesellschaft und Trinkstuben im 14. Und 15. Jh.
Zu den älteren Gesellschaften zählten die Kaufleute und Wirte. Die luzernischen Kaufleute gehörten wie überall zur regierenden Oberschicht. Ihre Stube bezeichnete sich auch stets als «adelig». Die Handwerke Gerber, Schneider, Schuhmacher, Schmiede, Bäcker und Metzger stellen diese wichtigsten Produktionszweige in der spätmittelalterlichen Stadt schlechthin dar. Metzger, Gerber und Schmiede prägten zudem den Charakter der Stadt Luzern als Mittlerin zwischen der viehreichen Innerschweiz und den Getreidebauregion des Mittellandes. Luzern galt damals als Zentrum für Viehhandel, Gerberei und Sensenfabrikation. Metzger, Bäcker, Gerber, Schuhmacher und Tuchleute trafen sich zum Verkauf ihrer Produkte im öffentlichen Marktgebäude – in der Schaal.
Im Mitte des 15. Jahrhunderts zählte die Stadt Luzern vierzehn Gesellschaften, nämlich die neun Handwerkerverbände der Gerber, Schneider, Schuhmacher, Schmiede, Metzger, Pfister, Fischer, Zimmerleute und Kürschner, ferner die beiden Herrenstuben zum Affenwagen und zu Schützen, die zwei Gewerbeorganisationen der Wirte und Krämer und schliesslich die der Landwirtschaft nahestehenden Rebleute.
Dem unmittelbaren Besitzrecht am Haus gab man in allen Gesellschaftshäusern augenfällig Ausdruck: Jeder neue Stubengeselle durfte seinen «Schild» - sein auf Holz gemaltes Wappen - am «Brett» in der Trinkstube aufhängen. Das hängende Schild wurde damit zum Symbol für die Mitgliedschaft. Wessen Schild entfernt wurde, der galt als ausgeschlossen.